Da wir ja nicht nach Manhatten, sondern nach New York gereist sind, sollten wir mindestens einmal auch einen flüchtigen Eindruck eines anderen Stadtteils bekommen und wir entscheiden uns für Brooklyn. Von meinen früheren Reisen her habe ich dieses Gebiet verschwommen als fast schon ländlich in Erinnerung, mit vielen roten Backsteinhäusern, kaum hohen Gebäuden und mit viel Leben auf der Strasse. Brooklyn wollen wir aber nicht einfach mit der Subway erreichen, sondern entschliessen uns zu einem Walk über die Brooklyn Bridge, die 1883 als grösste Hängebrücke an Stahlseilen eingeweiht worden ist.

Es ist in der Tat ein eindrückliches Bauwerk: drei Fahrspuren für den motorisierten Verkehr jagen je in eine Richtung und dazwischen ist reichlich Platz für die Fussgänger.

Man könnte sich hier richtig gut erholen von des Tages Müh‘ und Arbeit, aber leider, wen wundert’s, herrscht auch hier ein infernalischer Lärm, der rasch zu Ermüdungserscheinungen führt.

Trotzdem finden wir’s toll, den East River zu Fuss zu überqueren (hier wird jeweils auch immer der New York Marathon darüber geführt) und tauchen ein in die Mischung aus HighTech, uralter Architektur und Natur. Der Walkway besteht aus Holz, das ganz leicht federt und sich so sehr angenehm anfühlt. Alle paar hundert Meter treffen wir jeweils auf zwei süüüüüüsse kleine Polizeifahrzeugelchen, wo interessierten Touristen und ahnungslosen Einheimischen bei Fragen weitergeholfen wird. Am Ende der Brücke wollen wir zuerst einen im Reiseführer vorgeschlagenen Panoramaweg abwandern, geben das Vorhaben aber bald auf und biegen nach Lust und Laune irgendwo irgendwie ab, kommen dadurch nach Brooklyn Heights, wo wir endlich etwas essen (Burger natürlich) in einem sehr gemütlichen, freundlichen Lokal.

Weiter geht’s zu einem französischen Lokal

und schon sind wir in einem recht arabisch anmutenden Viertel, mit vielen entsprechenden Läden, Farben und Durcheinander, wir sehen Reklametafeln auf arabisch und ich wünsche mir zur weiteren Fortbewegung ein Kamel oder ein Dromedar. Da leider beides nicht verfügbar zu sein scheint, nehmen wir halt wieder die Subway, diesmal zur 34. Strasse, wo Verena bei Macy’s

ein Sweatshirt für sich selber oder als Mitbringsel kaufen möchte. Nun ist aber Macy’s das grösste Kaufhaus der Welt, sagt Verena, und es ist sooooooo riesengross, dass Verena einfach ertrunken ist in der Verwirrnis der Angebote und endlich können wir uns vorstellen, dass vielleicht Läden in der DDR auch ihre Vorzüge gehabt haben könnten, wenn für den Kauf einer Unterhose nicht gleich eine Ferienwoche reserviert werden musste. In der 9. Avenue essen wir im „Il Punto“ (korrekt: ein Italiener) halbwegs anständig (nicht begeisternd) und sind dann zum Glück nicht mehr weit von unserem Hotel entfernt.